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Kultur Sponsored

Interview mit Myrna Kamara, Solotänzerin für das Candlelight-Ballett Zürich

Max Hailer Max Hailer - Redakteur

Interview mit Myrna Kamara, Solotänzerin für das Candlelight-Ballett Zürich

“Ballett Aufführungen bestehen aus Eleganz mit Intensität und darin, mit dem Publikum im Einklang zu sein.“

Myrna Kamara ist eine Tänzerin mit einem wirklich beeindruckenden Lebenslauf. Sie hat mit dem New York City Ballet und mit dem Ballet Béjart in Lausanne getanzt. Sie war Solistin für das Bonner Ballett in Deutschland und Soloballerina für das Miami City Ballet, neben vielen anderen Orten. Seit sie nach Zürich gezogen ist, hat sie ihre eigene Kompanie gegründet. BalletXtreme führt von neoklassischen Stücken bis hin zu zeitgenössischem Ballett auf. Nun ist sie auch Solotänzerin bei den Zürcher Candlelight-Ballettveranstaltungen.

Doch bevor sie die sanft kerzenbeleuchtete Bühne betrat, hat sie sich mit uns zusammengesetzt, um ihre Leidenschaft für Ballett, klassische Musik und Zürich zu teilen.

„Ich liebe den Lebensstandard in Zürich“

Frage: Du bist mit Unternehmen und in Städten auf der ganzen Welt aufgetreten. Warum hast du dich entschieden, in Zürich zu bleiben?

Antwort: Mein letzter professioneller Vertrag war mit dem Ballet Béjart in Lausanne und ich hatte nicht geplant, in die Staaten zurückzukehren. Ich habe auch viele Gastspiele gemacht, unter anderem in den USA, Portugal, Südafrika, Japan, Italien… Ich war 21 Jahre lang die Gast-Primaballerina in „Aida“ in der Arena di Verona. Aber ich brauchte einen Platz zum Leben, ich wollte nicht zu weit wegziehen. Zürich ist sehr zentral. Es hat eine tolle Lage. Von hier aus habe ich eine gute Verbindung zu all den anderen Orten, an denen ich auftreten werde.

F: Wie lange lebst du  schon in Zürich?

A: Seit 1999. Da bin ich hierher gezogen.

F: Was gefällt dir am meisten an Zürich?

A: Die Pünktlichkeit, Flexibilität, die verschiedenen Kulturen und Sprachen. Ich mag die Cafés, das Essen, die Kultur, die Museen. Ich liebe die Schönheit des Opernhauses. Das war das erste, das ich besuchte, als ich hierher zog. Ich liebe den Lebensstandard.

Foto: Giovanni Vecchi

„Diese Eleganz, diese Extra-Essenz des Ballets ist so schön zu sehen.“

F: Was hat dich dazu gebracht, eine Profi-Balletttänzerin zu werden?

A: Meine Schwester nahm Tanzunterricht und sie machte am Ende des Jahres in einer Aufführung mit. Ich sah die hübschen Kostüme, die Bewegung. . . Wie schön, wie elegant es war. Es war so schön anzusehen. Ich habe auch eine Zeit lang Gymnastik geübt. Aber diese Eleganz, diese Extra-Essenz ist so schön zu sehen. Da habe ich mir gedacht: Ich will das machen! Meldet mich an!

F: Gibt es einen Auftritt, an den du dich besonders gerne erinnerst?

A: Das ist eine schwierige Frage. Es gibt zu viele. Ich habe so viele verschiedene und denkwürdige Werke getanzt, mit so vielen verschiedenen Choreographen. Das kann ich wirklich nicht sagen. Im New York City Ballet habe ich angefangen, also liegt meine Leidenschaft natürlich dort. Manche Ballettstücke, die ich höre, verursachen mir immer noch automatisch eine Gänsehaut.

Mein Lieblingsballett aller Zeiten muss aber Tschaikowskys Klavierkonzert Nummer 2 sein, das von George Balanchine für das New York City Ballet choreografiert wurde. Weil es wunderschön und herausfordernd ist, gab es mir das Gefühl, eine Tänzerin zu sein. Wirklich, wie eine Künstlerin, die alles erobern kann.

„Als Tänzer ist es wichtig, die Musik anzuerkennen und sie in sich aufzunehmen.“

F: Jetzt leitest du deine eigene Ballettkompanie, BalletXtreme.

A: Es ist eine kleine Kompanie, 6- 7 Tänzer. Soweit wir können, kommen wir alle zusammen. In Einern, Zweiern, Dreiern usw. für verschiedene Aufführungen. Es ist außerdem eine sehr vielfältige Kompanie, da wir Tänzer unterschiedlicher Herkunft haben. Verschiedene Arten von Tänzern, die ihre Kultur einbringen können und es spannend machen. Man kann von jedem lernen. Wir lehren uns gegenseitig.

F: Und du unterrichtest auch.

A: Ja, das tue ich. Ich unterrichte einige Ballettklassen und ich coache Balletttänzer durch verschiedene Stadien und Workshops. Ich helfe ihnen mit ihrer Ausrichtung und Technik sowie ihrem Selbstvertrauen und versuche, das Beste aus ihnen herauszuholen. Ich unterrichte Musikalität, denn als Tänzer ist es wichtig, mehr zu können als nur zu hören. Man muss auch wissen, wie man die Musik nutzt. Die Musik anzuerkennen und die Musik in sich aufzunehmen. Wir ja sind Instrumente.

F: Ist es schwer, die Firma zu leiten, zu unterrichten und gleichzeitig zu tanzen?

A: Es klappt, weil ich einen Zeitplan mit meinen Prioritäten habe. Ich leere mich nicht aus. Es ist nicht schwer zu handhaben, aber man muss gut organisiert sein und die Unterstützung ist immer ein Plus. Wenn nicht, dann kann es kräftezehrend sein.

Balletxtreme

„Candlelight schafft ein ganz anderes Setup, etwas sehr Magisches.“

F: Was unterscheidet deiner Meinung nach die CDL-Konzerte von allen anderen?

A: Die Atmosphäre. Die Kerzen, die ganze Idee, das Quartett und die Musik bei sich auf der Bühne zu haben. Das gibt der Aufführung eine ganz andere Stimmung. Es schafft ein ganz anderes Setup, etwas sehr Magisches.

F: Gibt es ein klassisches Werk, das du noch nicht aber gerne in einem CDL-Konzert aufführen würdest?

A: Das kommt darauf an, worüber wir reden. Klassisch, modern? Ich würde gerne den Bolero von Ravel tanzen. Ich liebe die Musik von Ravel. Er ist einer meiner Lieblingskomponisten. Und es ist immer ein Publikumsliebling. Aber wirklich, was auch immer mit der Begleitung der Musiker gehen würde. Alles, was funktionieren könnte: klassisch, neoklassisch, zeitgenössisch. Ich mag klassische Musik und es ist sehr schwer, sich auf ein Stück festzulegen.

„Ich würde jemandem empfehlen, zu kommen, weil er etwas Unerwartetes sehen wird.“

F: Was würdest du jemanden sagen, der noch nie in einer Ballettaufführung war, um ihm zum Mitkommen zu überzeugen?

A: Offen zu sein und zu kommen, um etwas ganz besonderes zu sehen. Nicht nur, um auf die Musik zu lauschen – um zu sehen, wie die Musik mit Bewegung gefärbt wird. Das Einfärben der Musik ist für das Publikum sehr aufregend. Und das Publikum weiß, wenn es etwas Spannendes sieht, auch wenn es nicht genau sagen kann, was es ist. Das ist genau das Magische daran.

Wenn es also um mich ginge, wäre ich offen, weil es mich interessieren würde, Tänzer mit Musikern in einer schönen Umgebung im Kerzenlicht zu sehen. Ich würde also jemandem empfehlen, zu kommen, weil er etwas Unerwartetes sehen wird.

F: Gibt es etwas, das du uns selbst fragen oder sagen willst?

A: Ich möchte mich bei Amy Wood bedanken. Denn sie hat meine Firma online gefunden und mich kontaktiert. Und dadurch bin ich heute hier. Ich freue mich auf eine wunderbare Zusammenarbeit mit bezaubernden Künstlern, die sich gegenseitig verstehen.